Mythos Mannheimer Friedhofswasser?

18
Aug
2014

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Mannheim und sein Bier – das scheint oftmals eine Beziehung nicht ganz frei von Konflikten zu sein. Die einen lieben es und trinken nichts anderes, andere nennen es spöttisch „Friedhofswasser“  wegen der Nähe zum Hauptfriedhof und dem vermeintlichen Wasserbezug der Brauerei. Doch was ist dran an diesem Mythos?

Bier trinken ist, wie vieles, reine Geschmackssache. Und die Weisheit, dass es ab der fünften Flasche sowieso egal ist was man trinkt, ist aus eigener Erfahrung auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Und doch haben die Menschen zum Bier eine über den Geschmack hinausgehende, besondere Beziehung. Die, die der Mannheimer Braukunst weniger wohlwollend gegenüberstehen, nennen die Biere der Privatbrauerei oft „Friedhofswasser“ – auf Grund der Nähe zum Mannheimer Hauptfriedhof. Doch was ist da eigentlich dran? Ich habe mich mit dieser Frage an die Brauerei gewandt, und Antworten erhalten, die diesen Namen auch verdienen.

Fängt man an, der Geschichte chronologisch nachzugehen, beginnt die Reise am Ende des 19. Jahrhunderts, als Städte in Deutschland zunehmend größer wurden. Um dem rasant steigenden Platzbedarf gerecht zu werden, wurden Brauereien wie Friedhöfe an den damaligen Stadtrand verlagert. Heute liegt die Brauerei quasi mitten in der Stadt, wie der Wasserturm übrigens auch. Auch der lag anno 1900 quasi auf freier Wiese. Die Nähe der Brauerei zum Friedhof ist also städtebaulicher Historie zu verdanken – doch hat das kühle Nass aus Mannheims Boden nun wirklich darunter zu leiden? Brauwasser sollte laut Brauexperten technisch wie mikrobiologisch der deutschen Trinkwasserverordnung entsprechen. „Eichbaum geht da noch weiter und fördert das Brauwasser in drei werkseigenen Brunnen aus einer Tiefe von mehr als 100 Metern, wo es seit über tausend Jahren unter einer undurchlässigen Schicht frei von Oberflächeneinflüssen lagert“ lässt mich die Brauerei wissen.

Aber auch von Friedhofseite her gibt es wenig Grund zur Sorge: letzte Ruhestätten in Deutschland verfügen meist über eine Sperrschicht im Boden, die Grundwasserverunreinigungen vorbeugt. Da das Brauwasser der Eichbaum aber tief im Erdreich unter mehreren abgeschlossenen Steinschichten liegt, ist es vor Einflüssen aller Art an der Oberfläche geschützt – sei es durch den Mannheimer Hauptfriedhof, Mannheimer Industriebetriebe oder „Lieschen Müller“, die in völliger Ahnungslosigkeit ihr Altöl im Garten weg kippt. Mehr noch: Eichbaums Grundlage hat echte Mineralwasserqualität und wäre sogar zur Herstellung von Babynahrung geeignet, was sicherlich die wenigsten wissen.

Es ist also nicht weit her mit dem Wahrheitsgehalt des Mythos „Friedhofswasser“ – was ja bei sachlicher Betrachtung eigentlich zu erwarten war. Spannend bleibt am Ende eigentlich nur die Frage, warum manch einer mit dem Bier der Stadt so kritisch ins Gericht geht. Über Geschmack lässt sich streiten, so weit waren wir ja schon. Jeder kann trinken was er will, aber man sollte doch froh sein, dass sich Mannheim mit „seiner“ Eichbaum ein Stück Individualität und Lokalkolorit behält, wo in den Getränkeregalen sonst vor allem multinationale Getränkegroßkonzerne den Ton angeben. Und ganz gleich welcher Biermarke man am Abend die Treue hält, ohne Eichbaum wäre Mannheim nicht nur um die Unterstützung unzähliger Veranstaltungen, Vereine und über 200 Arbeitsplätze ärmer, sondern auch um herrlich emotionale, biergetränkte Diskussionen und ein Stück Heimatgeschichte.

In diesem Sinne: Prost, Mannheimat.

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Erzählen kann man viel, ich weiß – eigene Erfahrung ersetzt das nicht. Deswegen verlose ich einen 24er-Kasten Ureich unter allen, die hier oder auf Facebook liken, sharen oder kommentieren (bis Mittwoch 10 Uhr) – inklusive 24 stilechten und druckfrischen Mannheimat-Bierdeckeln! Bildet Euch Euer Urteil also am besten selbst. Den von mir gekauften Kasten stell ich dann im Mannheimer Stadtgebiet (+5 km) sogar selbst zu. Bier frei haus sozusagen – wenn das nichts ist!? Kühlen und Trinken müsst Ihr dann aber allein!

2 Kommentare
  1. Schon in der Schule konnten wir uns von der Qualität der Produkte der Eichbaum überzeugen — bei einem Schulausflug in Biologie „die alkoholische Gärung“ und so. Hatte was von Feuerzangenbowle mit Hopfenkaltschalen. Die Brauereitour kann ich jedem nur empfehlen!

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    • Precisiamo che il M5S ha preso il 14,9% in Sicilia alle regionali, cornidesando che ha votato meno del 50% degli aventi diritto, significa che ha avuto un seguito di poco pif9 del 7% dei siciliani.

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