Rot ist das neue Grün – für Radfahrer

09
Sep
2014

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Mannheim sieht Rot auf seinen Straßen! Denn dieser Tage zeichnen neue, knallrote Radspuren den Straßenverkehr, beispielsweise auf dem Friedrichsring. Und das ist mehr als grüner Zeitgeist.

„Es tobt ein Kampf auf Deutschlands Straßen….“ – Gut, ganz so martialisch geht es auf dem rauen Asphalt zum Glück nicht zu, dafür aber in den mitunter hitzigen Diskussionen um die Initiative zur Steigerung der Radfahrerfreundlichkeit in Mannheim. Es ist ein bisschen wie ein Gebot moderner Zeiten, dass sich Innenstädte den Radfahrern öffnen. Und so hat die Stadt Mannheim zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht oder noch in Planung, um den Tritt in die Pedale in der Quadratestadt sicherer und angenehmer zu machen. Den einen zu progressiv und eine Gängelung des PKW-Verkehrs, den anderen bei weitem nicht ausreichend. So weit eigentlich alles wie immer – bei quasi allen Themen, zu denen man mehr als eine Meinung haben kann.

Gerade wird der Friedrichsring für Radfahrer „fit“ gemacht. Dicke rote Spuren führen nun vom Wasserturm am Nationaltheater vorbei und ermahnen Autofahrer nachdrücklich, dem Radfahrer Platz (zum Leben) zu lassen. Auch rund um den Wasserturm sind die Radspuren schon Realität, und als Autofahrer ändert sich nicht viel, es ist ein bisschen wie durch eine Autobahnbaustelle fahren: die Spur ist ein bisschen schmaler, aber eigentlich alles kein Problem. Mehr Diskussionsbedarf gibt es dagegen bei der Umgestaltung der Bismarckstraße vor dem Schloss. Das bei der Vielzahl an Studenten Radfahrer keine Seltenheit sind: selbsterklärend. Und das die gegenwärtige Situation auf Straße oder Gehweg verschiedenste Gefahren birgt, steht ebenso außer Frage. Doch seitens der Autofahrer und Gewerbetreibender regt sich Widerstand gegen die Pläne der Stadt, die den Wegfall einer Fahrspur vorsehen. Vorgelegte Studien zur voraussichtlichen Verkehrsentwicklung beruhigen da auch nicht wirklich, man könnte sich ja verrechnen wie Dobrindt bei der Maut.

Oft wird auch das rücksichtslose Verhalten der Radfahrer kritisiert, die vor allem in den Quadraten (teilweise erlaubt) gegen Einbahnstraßen fahren oder an PKW-Schlangen ungebremst vorbeizischen. Sicherlich zu Recht ein Aufreger für viele motorisierte Kraftfahrer. Doch bei all dem Ärger, den man hinter dem Lenkrad verspürt, geht ein Punkt dabei unter: wenn ein Radfahrer einen Aussenspiegel streift, ist der vielleicht der Ärger groß, der Schaden aber meist marginal. Im umgekehrten Fall, wenn sich Radfahrer mit LKWs und PKWs auf den großen Verkehrsachsen die Meter teilen, geht das Duell David gegen Goliath im Ernstfall wesentlich weniger glimpflich aus. Das belegen auch die Berichte der Studenten an der Uni, die ihren Weg mit dem Rad bestreiten:

Die Steigerung der Radfreundlichkeit Mannheims ist für mich weit mehr als grüner Zeitgeist. Dass diese Entwicklung einher geht mit der bevorstehenden Einführung der anderswo in Deutschland schon wesentlich populäreren Citybikes (nextbike nimmt demnächst in der Region den Dienst auf), passt in das wachsende Bewusstsein, dass der limitierte Platz in Innenstädten nach einem nachhaltigen Umdenken in Sachen Mobilität der Zukunft schreit.

Und dass bei diesem Umdenken das gute, alte und immer moderner werdende Rad eine zentrale Rolle spielt, ist richtig.

 

Bilder der neu enststehenden Radfahrwege auf dem Friedrichsring

3 Kommentare
  1. Danke für diesen Artikel! 2017 feiern wir 200 Jahre Fahrrad. Hoffe wir sind bis dahin ein gutes Stück weiter gekommen in der Anpassung der Stadt an die Mobilität der Zukunft.

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  2. Hallo Herr Fontagnier, freut mich dass Ihnen der Artikel gefällt. Trotz aller Versäumnisse und Herausforderungen unserer Zeit finde ich es sehr spannend, dass heutige Generationen Zeuge einiger großer Umwälzungen, vor allem auch im Bereich des öffentlichen Lebens wie dem Verkehr, werden. Hoffen wir das Beste – die Zukunft wird auf jeden Fall spannend.

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  3. Ich finde es auch super, dass gerade auf dem Ring endlich etwas für die Sicherheit der Radfahrer getan wird. Hoffentlich ist in Mannheim die Zeit bald vorbei, in der man sich als Radler wie ein Fremdkörper auf den Straßen fühlt.

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