Weihnachtswahsinn im Quadrat?

30
Nov
2014

wmmann

Seit Mittwoch illuminieren tausende kleiner Lichtchen die Mannheimer Innenstadt – und mit quasi 4,5 Weihnachtsmärkten geht die Quadratestadt als Hauptstadt des kommerziellen Budenzaubers in die Weihnachtszeit. Zu viel des Guten?

Traditionen haben Ihren Sinn, keine Frage. Und so traditionell wie seit geraumer Zeit die westliche Welt am 24. Dezember Weihnachten feiert, so traditionell beginnen an letzten Mittwoch im November die beiden Mannheimer Weihnachtsmärkte rund um den Wasserturm und auf den Kapuzinerplanken – begleitet von der offiziellen Einschaltung der Herz erwärmenden Beleuchtung der Innenstadt. Mittlerweile haben die beiden Standorte allerdings Konkurrenz auf engstem Raum bekommen: nicht erst seit diesem Jahr entsteht auf dem Vorplatz des Rosengartens das Winterdorf und auf dem Paradeplatz der Märchenwald. Da verwunderte die Aufregung um die Pläne für dieses Jahr kaum: auf dem Marktplatz entstand der Wintertraum. Nun hat Mannheim also vier volle und ein halbes Angebot, sich bei frühlingshaften Temperaturen jenseits der zehn Grad in Weihnachtsstimmung bringen zu lassen. Braucht es diese Vielfalt denn wirklich?

Angebot und Nachfrage mag mancher sagen, und irgendwie stimmt das natürlich. Speziell der jüngste Spross auf dem Marktplatz mit seiner Natureisbahn dürfte mit der Nachfrage auf sein Angebot einigermaßen unzufrieden sein. In Zeiten verschwimmender Grenzen zwischen den vier Jahreszeiten ließ die Laune der Mannheimer auf Eislaufen und Glühwein bei Sprühregen und 14 Grad zu Wünschen übrig – und man mag hoffen, dass das Experiment, die Weihnachtsmarktsaison gleich Anfang November einzuläuten, in Zukunft für beendet erklärt wird.

Mit Weihnachtsmärkten ist es wie mit allem anderen – und theoretisch auch mit BWL-Wissen belegbar: Verknappung führt zu gesteigerter Nachfrage. Zumindest oft: kalten Glühwein will wohl auch keiner, selbst wenn es davon weltweit nur zehn Tassen gäbe. Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen kleiner werden, merkt man, wie in der Stadt die Vorfreude auf die Weihnachtsmärkte steigt, und es ist eine lieb gewonnene Tradition, das mit dem ersten Öffnungstag quasi der Countdown bis Weihnachten startet. Dieses bewährte System untergräbt man mit dem Wintertraum ohne jegliche Not, und hat so für viele kontroverse Diskussionen in der Stadtöffentlichkeit gesorgt.

Dass mittlerweile das Weihnachtssortiment mit dem Ende der Sommerferien Einzug in die Supermarktregale hält, begründet der Einzelhandel mit dem Wunsch der Kunden. Und jetzt, wo ich es mir recht überlege, fallen mir all die glücklich verliebten Pärchen auf den Bänken entlang der Rheinterrassen ein, die an den lauen Spätsommerabenden im September in Shorts und Shirt verträumt auf ihrem Spekulatius kauten. Kann man gut finden, muss man aber nicht.
Und es ist gut, dass die zumindest die traditionellen Weihnachtsmärkte in der Quadratestadt dem Start Ende November treu bleiben. Das hält langfristig die Vorfreude und den Spaß an der Veranstaltung hoch – ungeachtet äußerer Umstände wie Temperaturen und Wetter.
Welcher Weihnachtsmarkt aus dem reichhaltigen Portofolio der Weihnachtshauptstadt Mannheim der richtige für einen ist, bleibt eine Frage des persönlichen Gusto. Mein Favorit bleibt seit je her der kleine Budenzauber auf den Kapuzinerplanken. Die einheitlichen Zelte mit der schummrig-warmen Beleuchtung ohne allzu grelle Disco-Blitzlicht-Karussells sorgt für gemütlich-entspannte Feierabendstimmung, während das Angebot neben Speis und Trank klare Kante zeigt: Handarbeit, Handwerk und künstlerisches Schaffen prägen hier das Bild – keine Handyhüllen oder sonstige befremdlichen wirkenden Experimente.

Ob man dem allabendlichen, gühweingetränkten Gute-Laune-Zirkus generell etwas abgewinnen kann, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.

Ein Kommentar
  1. Na, da fehlt aber einer! Den kleinsten Weihnachtsmarkt wird es vom 12.12 bis 21.12 am alten Messplatz geben. Mit täglicher Live-Musik ab ca. 19.00 Uhr. Cheers!

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