Große Show, kleiner Sound.

13
Mrz
2015

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Usher  – der Name ist Programm, und in der internationalen R&B-Szene seit 20 Jahren eine Hausnummer. Seine großartig inszenierte Show gestern in der SAP Arena trübte der vor allem zu Beginn mäßige Sound.

Wenn man den US-Star so auf der Bühne sieht, fällt einem unweigerlich auf, wie ungerecht das Leben ist. 1978 geboren ist der Mann immerhin vier Jahre älter als meine Wenigkeit, sieht aber aus und bewegt sich wie ein 20-Jähriger, während ich meinen Körper mühsam vor dem Verfall bewahre. Tanzen kann der Mann, keine Frage. Und Musik machen. Das ist es wohl, was die zahlreichen Usher-Fans rund um den Globus eint: die Symbiose aus eingängigen Sounds und perfekt tanzender Körperbeherrschung.

Seit seiner ersten Single 1993 „Call me a mack“ ist Usher im Musikbizz unterwegs, 22 Jahre und unzählige Hits später lebt der Superstar aber keineswegs vom Glanz alter Tage, vielmehr ist er immer noch eine Referenz. Das sieht man an dem enormen Zuspruch: die SAP Arena ist fast ausverkauft, die Fans mehrheitlich szenig und jung, es gibt aber eben auch die, die schon Mitte der 90er zu „You make me wanna“ unbeholfen mit der Hüfte wackelten. Doch bevor Usher die Bühne betrat, übernahm das dynamische Duo Nico & Vinz das Vorprogramm. Mit ihrem Hit „Am I wrong“ und dem vor allem durch den Konsolenkracher FIFA 15 bekannten Track „When the day comes“ starteten die beiden Norweger mit afrikanischen Wurzeln schwungvoll in den Abend. Die Mischung aus Hip Hop und Pop mit afrikanischem Einfluss, kurz nur Afropop genannt, regt zum Bewegen an, ganz gleich ob man von Nico & Vinz vor diesem Donnerstag schon mal etwas gehört hat. Ein sehr guter Start in den Abend.

Dann, nach noch einmal 20 Minuten Wartezeit ist es soweit: der Blick auf die majestätische Bühne wird frei und Usher himself betritt diese. Allein das 30-sekündige Intro, das mit einer Michael-Jackson-Double-preisverdächtigen Pose endet, macht klar, was das Publikum zu erwarten hat: eine perfekte Show. Indoor-Pyro-Effekte nach nicht mal einer Minute, das kann ja was werden. Es folgt ein knapp zweistündiges Konzert, in dem der US-Amerikaner Songs aus seiner 22-jährigen Karriere performt – allesamt perfekt choreografiert, mal abgesehen von einem der überdimensional großen Screens, der sich in Teilen zum Ende hin verabschiedete.
Es ist ein visuelles Vergnügen, Usher und seinen Tänzern bei den eleganten und energetischen Tanzeinlagen auf der aufwendig gebauten und inszenierten Bühne zuzuschauen. Dass der Funke vor allem zu Beginn des Konzerts nicht wirklich auf das wohlwollende Publikum überspringt, hat wohl zwei Gründe. Zum Einen erweist sich der R&B-Star als eher mäßiger Entertainer, die Ansagen zwischen Songs wirken ein wenig hölzern und bezugslos. Zum Anderen, und das war das gravierendere Problem, ist der Sound vom Start weg bestenfalls bescheiden. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich diese Zeilen nach einem Konzert auf deutschem Boden einmal schreibe: es war unglaublich laut, viel zu laut. Gerade zu Beginn vermischten sich die Beats des DJs, Ushers Gesang und die Klänge der Bläser (sonst top!) zu einem breiförmigen Gedröhne, das es einem schwer machte, überhaupt einen Song zu identifizieren. Mit fortschreitender Dauer haben die Toningenieure dann wohl die Arbeit aufgenommen, und passend zu den bekannten Hits der vergangenen Jahre war dann auch der Klang dem Rest der großartigen Show angemessen. Dennoch: bei Produktionen auf diesem Niveau und derartigem Anspruch darf man zu Recht mehr erwarten als den Klang einer Partykelleranlage nachts um vier kurz vor dem Zusammenbruch.

Im Rahmen der 100-minütigen Diskografie wird einem dann auch Ton geworden bewusst, wie unterschiedlich der Sound von Usher ist: Rap und Hip Hop sind genau so dabei wie gefühlvolle R&B-Hits (U got it bad), Hip House-Bretter (DJ got us fallin‘ in love) und die mit Dance-Superstar David Guetta produziert Dance-Nummer „Without you“, die den abschließenden Höhepunkt des Konzerts mit jeder Menge Licht und Feuerwerk bildete.

Insgesamt ein guter Abend, vor allem dank der perfekten Show, die der US-Superstar seinem Publikum bot. Bühne, Licht und Choreographie sind kaum zu toppen, beim Ton hat man gerade noch rechtzeitig die Kurve bekommen. Für einen Ticketpreis von 50 Euro aufwärts bekommt man auf jeden Fall eine sehenswerte Show für sein Geld – auch dank dem großartigen Vorprogramm. Ein guter Frühstart ins Wochenende.

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