Grüne Gangster?

25
Mrz
2015

IMG_0123Dean & David – das grüne, frische Konzept hat auch in Mannheim eingeschlagen. Ein klasse Angebot am Puls der Zeit – wenn da nicht das nervige Detail „Flaschenpfand“ wäre.

„Flaschenpfand bei Dean & David? Hab ich ja noch nie gehört.“ – So oder so ähnlich verlaufen eigentlich alle Gespräche mit Menschen, die ich in den vergangenen zwei Jahren auf die kreative Pfandpraxis der grünen Franchise-Kette ansprach. Dean & David: das ist ein echter, gastronomischer Volltreffer. Eine Realität gewordene, gute Idee. Man nehme das Beste aller bestehenden Gastronomiekonzepte und macht daraus etwas, das den Zeitgeist voll trifft. Bestellen und Mithelfen wie bei Vapiano, dazu eine Speisekarte, die alles vereint was nach leichter und leckerer Kost klingt, den Kühlschrank voll mit Fritz, Mischmasch und Red Bull statt Coca-Cola, eine Einrichtung aus hellem Holz und weißer Farbe: läuft.

Ich selbst bin ein großer Fan des Angebots, vor allem in der Mittagspause. Leckere Salate, fixe Zubereitung – passt. Gefühlte 100 mal in den letzten zwei Jahren zu Gast gewesen, und mindestens ebenso oft über ein winziges Detail mokiert, das fast jeder übersieht. Denn Dean & David nehmen Pfand auf alle Getränkeflaschen. Soweit kein Problem, ist zum Einen aus Umweltschutzgründen voll vertretbar und zum Anderen auch eine Maßnahme gegen das unerklärliche Verschwinden von Pfandflaschen. So jedenfalls erklärt es mir die Geschäftsleitung auf Nachfrage. Bis hierhin: alles cool. Doch warum tut man vor Ort quasi alles, um dem Kunden nicht mitzuteilen, dass er Flaschenpfand bezahlt? Klar, auf der Quittung steht es drauf, aber mal ehrlich: wer schaut sich in Fast-Food-Läden die Kassenzettel an, wenn man einen Salat und ein Getränk bestellt?

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Von den unzähligen, grünen Menschen hinter dem Tresen hat uns bis zum heutigen Tag noch niemand bei der Bestellung über die Tatsache informiert, dass die Getränke mit Pfand rausgehen. Das sollte eigentlich anders sein, beteuert die Geschäftsleitung – und führt das Fehlen der Auskunft auf den sich noch einspielenden Bestell- und Kassierprozess zurück. Nun ja. Wäre nach so langer Zeit dann schon mal an der Zeit, dass das die quirligen Männlein und Weiblein in grün im Repertoire hätten. Aber warum sich darüber aufregen, kann doch mal passieren. Sicher, wenn das alles wäre.

Doch wer bis jetzt noch immer an Kommissar Zufall oder schlechte Umsetzung einer guten Idee glaubt, dem sei der letzte Punkt dieser kleinen Argumentation ans Herz gelegt: warum beherbergen die Abräumwagen eine eigene Kiste, die einen freundlich auffordert, hier seine Gläser und Flaschen abzustellen? Mittagspause für Mittagspause das gleiche Bild: die Kisten voll mit achtlos von Kunden abgeräumten Flaschen, für die sie vorher je nach Art 15 bis 25 Cent Pfand zahlten. Manchem mag es zu nervig sein, sich in die Schlange der Bestellenden einzureihen, um sich Klimpergeld erstatten zu lassen, die Mehrzahl, so behaupte ich, hat jedoch nicht mal eine Ahnung, dass sie überhaupt Pfand gezahlt haben.

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Und das ist, bei aller Freude über das schmackhafte Angebot von Dean & David irgendwie ein kleines Detail, das auch nach zwei Jahren und unzähligen Besuchen nicht in meinen Kopf will.
Nicht falsch verstehen, der Pfandwert an sich ist mir, vor allem hinsichtlich der sowieso ambitionierten Preise relativ egal. Die an den Tag gelegte Praxis allerdings nervt. Es wäre ein leichtes, den Punkt Pfand von der Rechnung zu nehmen und die Speisen oder die Getränke 15 Cent teurer zu machen – das würde der gelebten Realität entsprechen und wäre in Summe egal, denn ob man nun 11,30 Euro oder 11,45 Euro für Salat und Getränk zahlt, ist schlussendlich wohl für die wenigsten Kunden von Belang.

Und bei allem Respekt, der Gutteil der Kunden sind Krawattenträger oder figurbewusste Damen. Schwer vorstellbar, dass die eine offene Glasflasche mit letzten Tropfen Fritz Cola zuckerfrei unterm Sakko oder im Longchamp-Täschen nach draußen schmuggeln, um 15 Cent zu ergaunern. Wäre allerdings ein lustiges Bild.
Eier müsste man haben, dann könnte man da richtig was machen. Beispielsweise beim nächsten Besuch nach dem Abräumen einfach den randvollen Korb mit Flaschen nehmen und an der Kasse nach dem Pfand verlangen. Auf die Reaktion wäre ich ehrlich gespannt.

2 Kommentare
  1. Habe bei meinem letzten Dean& David Besuch alle herumliegenden Flaschen eingesammelt, abgegeben und Pfand kassiert. Seitdem schlafe ich besser.

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    • Brillant!

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