L’Osteria: „Dolce Vita“ ohne Mithelfen

16
Okt
2017

Die „L’Osteria“ hat Quartier bezogen am Friedrichsplatz unter den Arkaden – und macht ordentlich Eindruck im ehemaligen Onyx.

Zu Systemgastronomie kann man stehen wie man will. Und streng genommen handelt es sich auch bei „L’Osteria“ um nichts anderes. Mehr als 80 Restaurants in Deutschland, Österreich, Schweiz und England betreibt man, den größten Teil davon hierzulande. Und das bereits seit Ende der 90er. Richtig, damit ist „L’Osteria“ auch älter als der Platzhirsch und größte Konkurrent „Vapiano“, was man kaum glauben mag. In der öffentlichen Wahrnehmung ist „L’Osteria“ lange unter dem Radar geflogen, was sich in den letzten Jahren allerdings nach und nach ändert. War man 2011 nur mit elf Restaurants im Bundesgebiet vertreten, sind es heute über 65 – Tendenz steigend.
„L’Osteria“ und „Vapiano“, das ist nicht nur Konkurrenz, sondern auch gemeinsame Geschichte. Denn die Gründer von „L’Osteria“ waren auch bei der Gründung von „Vapiano“ an Bord, doch nun liegt der Fokus voll auf der „L’Osteria“. Genug der trockenen Fakten, rein ins Vergnügen.

Zwei-drei Wochen hat die „L’Osteria“ in Mannheim bisher geöffnet, und man kann guten Gewissens sagen: der Laden brummt. Mittags, Abends, werktags, am Wochenende – fast immer ist richtig was los in den komplett umgestalteten Räumlichkeiten des ehemaligen Onyx. Knapp 9 Monate hat man sich dafür Zeit gelassen – und herausgekommen ist ein Lokal, das mit warmem, diffusem Licht, Holz, Metall und Vintage-Look den Zeitgeist trifft und eine bodenständige Gemütlichkeit ausstrahlt. Grundsätzlich wird man eine „L’Osteria“ immer als solche erkennen, auch wenn sich das Innendesign durchaus von Standort zu Standort unterscheidet – und mir beispielsweise in Mainz noch besser gefällt, aber das ist Geschmackssache.

Ein gutes Stichwort, dieser Geschmack. Denn hier entscheidet sich der Kampf um die Kunden, auf dem Teller. Für Pizzafreunde ist die „L’Osteria“ dabei ein Pflichtbesuch. Riesengroß, hauchdünn und richtig lecker kommt sie daher. So groß, dass ein Teller nicht reicht und auch gut und gerne zwei Personen davon leben können. 45 Zentimeter Durchmesser sind ein Wort. „Pizza Wagenrad“ nenne ich sowas liebevoll, die zu großen Teilen an meiner Figur mitgewirkt hat, in diesem Fall aber durch ihre Art dennoch eine angenehme Leichtigkeit versprüht und in fast 30 Variationen zu humanen Preisen ab 7,75 Euro bis maximal 12,50 Euro bestellt werden kann. Da sind die Klassiker Margherita, Prosciutto und Salami ebenso dabei wie etwas extravagantere Varianten wie die „Gamberetti“ 0der „Erbacce“ – und können hälftig unterschiedlich belegt werden. Auf jeden Fall definitiv das Geld und jeden Versuch wert und ohne jeden Zweifel das „Signature Dish“ der L’Osteria.

Doch auch Pasta-Liebhaber kommen nicht zu kurz: aus der frischen Pastamanufaktur kommen die unterschiedlichen Nudelsorten auf den Teller in ganz unterschiedlicher Art und Weise, ergänzt durch wechselnde Aktionsgerichte, die saisonale Trends aufgreifen. So wusste z.B. die Pasta mit Speck und Zwiebeln zu begeistern, während mir die Crema Di Zucca (Kürbiscremesuppe) anderswo besser gefallen hat. Des weiteren finden sich natürlich auch zahlreiche Antipasti, Salate und Desserts auf der Karte – von Bruschetta, Caprese und Carpaccio bis hin zu Tiramisu, Panna Cotta und Tartufo ist alles zu finden was man von einem Besuch beim Italiener erwartet.

Bei den Getränken ist die Preisgestaltung deutlich ambitionierter, aber das ist leider schon fast keine Erwähnung mehr wert, da nahezu überall so. Denn hier wird das Geld verdient. Neben hausgemachten Limonaden und Eistees gibt es Standard und für Barfreunde natürlich auch jede Menge Wein und Spirits, beispielsweise für einen Start in die Nacht am Wochenende. Hier zeigt die „L’Osteria“ Charakter: mit deutlich wahrnehmbarer Musik am Abend und der barähnlichen Atmosphäre durch dunkle Farben und softes Licht eignet sie sich auch wunderbar als Ausgangspunkt für Nachtschwärmer.
Bei allen Besuchen seit der Eröffnung darf der Service explizit gelobt werden: ambitioniertes, freundliches Personal – im Service wie in der offenen Pizzaküche – trifft man schnell, und trotz des großen Andrangs läuft der Betrieb weitestgehend reibungslos. Service ist auch ein gutes Stichwort, um noch einmal auf den großen Konkurrenten mit dem V zu sprechen zu kommen. In Mannheim liegt der kaum einen Steinwurf entfernt auf der anderen Seite des Friedrichsplatzes, und nicht nur deswegen wird man um die selben Gäste buhlen. Während das Vapiano den Vorteil der besseren Sichtbarkeit genießt, ist dessen ausgefallenes Konzept zwar bekannt, aber auch die Achillesferse. Ich für meinen Teil möchte die meiste Zeit mit Menschen beim Essen gemeinsam Zeit verbringen, und nicht in Schlangen stehen, warten und zu völlig unterschiedlichen Zeiten essen – da sticht die „L’Osteria“ mit ihrem klassischen Servicekonzept und dürfte sich schnell einer stabilen Fanbase erfreuen – vor allem auch wegen der, es sei noch mal gesagt, wirklich großartigen Pizza.

Wir empfehlen daher für alle, aber vor allem für alle, die Pizza lieben, einen Antrittsbesuch in der „L’Osteria“ am Friedrichsplatz.


Relevante Links:
Webseite der „L’Osteria“
Facebookseite der „L’Osteria Mannheim“

2 Kommentare
  1. Vielen Dank für den gelungenen Beitrag.
    Hattet ihr aber nicht das Gefühl das der Lärmpegel wirklich sehr laut war? Wir waren hier abends essen und konnten uns leider kaum unterhalten! Was die Pizza und den Service angeht stimme ich überein. Leider bekommt man auch bei einer Reservierung ein Zeitlimit, für mich leider nicht nachvollziehbar, auch wenn man viele Gäste an einem Abend zufrienden stellen möchte….
    Auf jeden Fall einen Besuch wert, vll mal mittags probieren…

    Antworten
    1
    • Hallo Annika, Du hast schon recht, abends ist es wirklich laut und sehr voll. Aber ich denke hier muß man mal abwarten, wie sich das nach der logischen Anfangseuphorie entwickelt, denn jetzt rennt natürlich jeder erstmal hin.

      Antworten
      1

Schreibe einen Kommentar